Bezüge auf zum Entstehungszeitpunkt aktuelle Themen sind in den Texten Hans Grafs stets vorhanden. In «I. Die alttestamentl. Wurzel.» erklärt Graf in einem ersten Teil den biblischen Hintergrund und projiziert darauf aktuelle Veränderungen, welche er in vielen Fällen explizit nennt. Die meisten Texte folgen dieser Struktur. «Das biblische Zeugnis vom Antichrist» entspricht nicht dieser Struktur. In diesem Fall lässt Hans Graf den biblischen Hintergrund aus, und kommt direkt auf seine Forderungen zu sprechen. Diese stehen in einem Zusammenhang zu aktuellen Veränderungen, jedoch nennt er diese nicht explizit. Weltliche Themen, die er direkt anspricht, sind der Nationalsozialismus in Deutschland, der Bolschewismus in Russland, die zunehmende Säkularisierung, die Dekolonialisierung, das Scheitern der Weltwirtschaftskonferenz und der Abrüstungskonferenz. Diese weltlichen Themen koppelt er an religiöse Konzepte und Figuren. So stellt Hans Graf den Nationalsozialismus und den Bolschewismus in Zusammenhang mit der Gestalt des Antichristen und antichristlichen Strömungen in der Bibel. Die vermehrte Auseinandersetzung der Bevölkerung mit dem Tod und dem Jenseits erklärt sich Graf mit den oben genannten weltlichen Veränderungen. Diese Gedanken werden zunehmend säkular geführt oder von Sekten bewirtschaftet, weil die Eschatologie, der Teil der Religion, der sich um die letzten Dinge dreht, in der evangelischen Kirche vernachlässigt wurde. Hans Graf macht deshalb die Eschatologie in seinen Schriften vermehrt zum Thema und fordert, dass sich die Kirche wieder intensiver mit der Eschatologie beschäftigte. Insgesamt fällt auf, dass viele Themen auch im Jahr 2024 in Europa noch eine Relevanz haben. Die Säkularisierung schreitet weiter voran und die Kirchen müssen vermehrt Austritte annehmen. Auch antisemitische Vorfälle und Bewegungen sind ein Thema unsere Zeit. Ebenfalls sind wieder vermehrt geopolitische Spannungen vorhanden, die Europa direkt betreffen.
Die These, «Im Vordergrund der Schriften Hans Grafs stehen insbesondere die Eschatologie, die Figur des Antichristen und das ökumenische Denken, weil er so der allgemeinen turbulenten gesellschaftlichen Lage Rechnung zu tragen und diese kritisch zu beleuchten.», ist teilweise zu bestätigen. Die Eschatologie, der Antichrist und antichristliche Strömungen stehen tatsächlich im Fokus der Schriften. Es ist davon auszugehen, dass er auf diese Weise den gesellschaftlichen Veränderungen in Europa Rechnung tragen wollte. Hingegen kommt ein ökumenischer Gedanke in den analysierten Texten nicht zum Ausdruck. Im Gegenteil kritisiert Hans Graf den Islam auf fundamentaler Ebene. Auch das Judentum kritisiert Graf scharf. Ebenfalls, wenn auch weitaus weniger direkt, kritisiert er die katholische Kirche. Auch Dieser Teil der These lässt sich nicht bestätigen. Allgemein lässt sich sagen, dass Hans Graf eine stark evangelisch-konservative Position einnimmt und entsprechende Werte vertritt.