«Das biblische Zeugnis vom Antichrist» ist ein sehr kurzer, nur 21 Zeilen umfassender, Text. In einer kurzen Einleitung erklärt Graf, dass er die Eschatologie zum Thema dieses Textes macht. Er glaubt, dass man sich in politisch unruhigen Zeiten schon immer vermehrt mit der biblischen Eschatologie beschäftigte.
Ab Zeile sechs vertritt er eine zentrale Forderung: Er sieht es als Pflicht «das Weltgeschehen uns von der Bibel erleuchten zu lassen» und aus diesem Blickwinkel zu betrachten und zu beurteilen. Er begründet diese Forderung mit der Frage Jesu:
«über des Himmels Gestalt könnt ihr urteilen; könnt ihr denn nicht auch über die Zeichen der Zeit urteilen?»[2]
Weiter äussert er sein persönliches Empfinden, dass man sich zu wenig mit der biblischen Eschatologie beschäftige. Dadurch überlasse man das Thema den Sekten.
Die Sätze sind typisch für Graf lang und verschachtelt. Grafs Argumentationskette zieht sich durch den ganzen Text, aber im Vergleich zu anderen Texten, wie zum Beispiel in «I. Die alttestamentl. Wurzel.», verzichtet er auf eine lange Analyse der Bibel. Seine Argumentation ist sprachlich anspruchsvoll gestaltet, hingegen ist das Vokabular vergleichsweise einfach.
Das Zielpublikum des Textes ist für mich nicht ganz klar. Wahrscheinlich erscheint, dass Graf den Text als Rede konzipierte. Folgende Szenarien sind für mich vorstellbar: Graf hielt diese Rede an der Evangelischen Lehranstalt Schiers (heute Evangelische Mittelschule Schiers) vor der Schülerschaft, um die Wichtigkeit der Eschatologie im damaligen Zeitgeschehen zu betonen. Oder er richtet sich an angehende Pfarrer und Theologen. Er sagt sehr direkt, dass er davon ausgehe, dass die Eschatologie vermehrt thematisiert werde, weil die damalige Zeit von politischen Unruhen geprägt ist.
Der Zeitpunkt der Entstehung dieses Textes ist für mich allerdings unklar. Das Datum und Kürzel «Wi. G. 30.3.69», welches sein Sohn Wilfried, bei dem die Schriften lagerten, über der ersten Zeile notierte, ist erst nach dem Tod Hans Grafs am 22. September 1954. Der Verfasser des Textes ist, aufgrund des Schreibstils und verwendeten Papiers, dennoch mit Sicherheit. Hans Graf. Dem Inhalt zufolge, gehe ich davon aus, dass Hans Graf diesen Text zwischen 1945 und seinem Tod im Jahr 1954 verfasste. Ein früherer Entstehungszeitpunkt ist aber nicht auszuschliessen.